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Familienleben 2021 – oder was ist eigentlich artgerecht?!

Bei Wurzeln & Flügel beginnen wir das Jahr 2021 mit der Frage danach, wie wir als Familie artgerecht leben können und wollen. Die Verlängerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie fordert uns weiterhin und stellt Familien vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. In diesem Artikel erzähle ich euch eine Geschichte darüber, was artgerecht für Familien ist und gebe einen kleinen Einblick, wie wir versuchen, unser ganz eigenes Abenteuer Familienleben zu gestalten. Ich erzähle dir auch, wie ich zum artgerecht-Projekt gekommen bin und wieso mich Nicola Schmidt sofort am Angelhaken hatte.

Was ist eigentlich artgerecht?

Ein Grundsatz des artgerecht-Projektes ist es, dass der Mensch nicht dafür gemacht ist, alleine seinen Nachwuchs großzuziehen. Dazu braucht es ein ganzes Dorf, einen Clan, denn wir sind eine „kooperativ aufziehende Art“. 

Es braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen. Und genau deshalb haben Judith und ich die Wurzeln & Flügel Familienakademie gegründet. Um Familien dabei zu unterstützen, sich ihr Dorf, ihren Clan aufzubauen, Kontakte zu knüpfen und sich über Herausforderungen und mögliche Lösungen des modernen Familienalltags auszutauschen. Und bei all dem Wahnsinn, körperlich und v.a. seelisch gesund zu bleiben. 

Die bürgerliche Kleinfamilie ist eine Erfindung der Neuzeit und unsere moderne Welt macht es Eltern und Kindern ganz schön schwer. Es ist nicht artgerecht, wenn ein Erwachsener den ganzen Tag mit einem oder sogar mehreren Kindern allein ist. 

Doch in wie viele Familien ist das der alltägliche Wahnsinn?! Ganz besonders in diesen stürmischen Zeiten. 

Familienleben im Jahr 2021 ist – losgelöst von der Pandemie – mit besonderen Herausforderungen verbunden. Isolation, gegensätzliche Informationen von Fachpersonal, Druck von Seiten der Familie, des Arbeitgebers, des Partners… Um nur einige zu nennen.

Ja, das Problem der sozialen Isolation war schon vor März 2020 eine große Herausforderung für Eltern! Die Kontaktbeschränkungen haben diese noch verschärft. Ganz besonders für diejenigen, die sich auf die Reise der bindungs- und bedürfnisorientierten Begleitung ihres Kindes machen. Vielen Eltern – v.a. in ländlichen Regionen – fällt es sowieso schon schwer, Anschluss an andere Familien zu finden, die eine ähnliche Einstellung zu Elternschaft haben und die vielen Ammenmärchen unseres gesellschaftlichen Erbes hinterfragen. Und wie oft sind sich Eltern untereinander schon uneins über Erziehungsfragen, weil beide in ihrer Kindheit vielleicht ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und einen ganz persönlichen Rucksack aus Glaubenssätzen, verfügbaren Handlungsmustern und Ammenmärchen mitbringen.

Denn davon kursieren noch genug und selbst Kinderärzte, Hebammen und andere Fachgruppen verbreiten heute nach wie vor veraltetes Wissen über Babyschlaf, Stillen, motorische und kognitive Entwicklung oder Erziehungsmethoden.

Wir sagen: Es ist Zeit für eine faktenbasierte Erziehung!

Und genau darum wird es in diesem Blog gehen. Denn die Frage danach, was artgerecht für uns Menschen ist, versuchen wir fernab von Ideologien und Moden mit Erkenntnissen der Wissenschaft zu beantworten:

  • Was ist wirklich gut für uns und unsere Kinder?
  • Was hilft uns, gesund zu sein und zu bleiben?
  • Was brauchen wir, um uns wohl zu fühlen?
  • Und wie kann das ganz individuell umgesetzt werden?
  • Was sind meine Wünsche und Ziele für unser Familienleben?

Denn es gibt keine Patentrezepte. Jede Familie, jedes Kind ist anders. Und doch gibt es elementare Bedürfnisse, die unsere Steinzeitbabys und wir mit in diese Welt bringen. Die Frage ist nur, mit welchen Strategien wir unsere Bedürfnistanks auffüllen. Ohne dass dabei die Babys auf der Strecke bleiben.

https://www.instagram.com/p/CFZZbX0lgK4/

Sicher gebundene Menschen sind auch mental gesunde Menschen. Und die brauchen wir, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die ersten drei Jahre sind die wichtigsten, um eine sichere Bindung aufzubauen und damit unseren Kindern den besten Start ins Leben zu schenken.

Was ist eigentlich artgerecht für mich?

Diese Frage habe ich begonnen mir ganz bewusst zu stellen, lange bevor ich Mutter wurde. Wann genau, habe ich hier schon einmal erzählt:

https://www.instagram.com/p/CHnnDA4F9bK/
Meine Vision unseres Artgerechtes Lebens hat auch mit Kind noch bestand: Reisen, Freiheit, Abenteuer! Unser großer Traum: Eine große Gespann-Tour durch Europa noch bevor der Frosch eingeschult wird.

Neben der Familienkutsche (yeah, wir können darin schlafen!) und dem Familienzelt sind im Jahr 2017 natürlich auch Baby-Ratgeber in unseren Haushalt eingezogen, als ich schwanger wurde. Klar, wir wollten uns ja vorbereiten auf unser kleines Wunder. 

Als ich es entdeckte hat mich “artgerecht – Das andere Babybuch” natürlich sofort angesprungen… Nicola Schmidt hat mich mit ihrer Art zu schreiben, ihrem Humor und dem so klar formulierten Fachwissen sofort in ihren Bann gezogen. Hier schlug nicht nur mein Mama-Herz höher, sondern gleichermaßen auch mein Psycho-Herz. Schon damals habe ich zu meinem Mann gesagt: “Schau mal, die bilden auch Coaches aus beim artgerecht-Projekt. Das will ich machen! Dieses Wissen gehört in die Welt und ist soooo wichtig für uns Eltern!” Diesen Traum habe ich mir im September 2020 endlich erfüllt. Im Rahmen dieser Ausbildung ist mir nochmal bewusst geworden wie wichtig auch das Thema Stressmanagement für Eltern ist. 

Das Wissen darüber, was dieses wundervolle Steinzeitbaby eigentlich wirklich braucht und mit wie vielen Ammenmärchen wir uns unser Familienleben unnötig schwer machen, hat mir sehr geholfen, Stress aus unserem Familienalltag rauszunehmen. Und das Bewusstsein, dass wir Eltern diese verantwortungsvolle Aufgabe gar nicht alleine bewältigen können, obwohl die Umstände heutzutage häufig dazu führen, dass wir alleine sind. 

Es ist nicht artgerecht, allein mit Kindern zu leben. Den Alltag allein zu wuppen, bis der Partner endlich am Abend – selbst erschöpft von der Arbeit – nach Hause kommt. Dann werden die Kinder schnell zum Säbelzahntiger. Streit und Konflikte sind vorprogrammiert und dabei ist es doch Verbindung und Harmonie, die wir uns eigentlich wünschen.

artgerecht mit Baby war für mich der perfekte Weg, es mir leicht zu machen: Wenn ich weiß, was dieser bezaubernde kleine Homo Sapiens braucht und wie ich ihm das geben kann, lasse ich mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen.

Und wenn ich dabei auch meine eigenen Bedürfnisse im Blick behalte, gelingt es mir unser ganz eigenes artgerechtes Familienleben zu gestalten. 

Der Frosch war ein richtiges Steinzeitbaby. Hauptsache Nähe! Ich erinnere mich noch gut daran, wie er nach spätestens 20 Minuten wieder aufgewacht ist, sobald ich mich weggeschlichen habe. Wie er sich nicht irgendwo ablegen lassen wollte. Wie er stundenlang an der Brust hing und die Milch für den nächsten Entwicklungssprung vorbestellt hat. Wie er fast im Tragetuch gelebt hat.

Und das durfte er. Denn Menschen sind physiologische Frühgeburten.

Unser Steinzeitbaby spielt mittlerweile mit seinem Laufrad regelmäßig Rallye Dakar auf dem Spielplatz oder auf der Cross-Strecke. Seit Oktober hat er auch ein richtig cooles erstes Fahrrad mit Pedalen, das er jedem stolz präsentiert. Noch ist er sehr vorsichtig. Er steigt zwar immer wieder mal auf, doch sobald es ein bisschen kippt, bekommt er Angst und greift lieber zum altbekannten Laufrad.

Die Tragemomente sind sehr selten geworden. Jedes Mal bin ich glücklich und ein bisschen wehmütig gleichzeitig. Wird es das letzte Mal gewesen sein?

Tatsächlich freut sich mein Rücken sehr, wenn ich den Frosch nicht tragen muss. Das macht inzwischen vor allem der Papa, denn der hat viel stärkere Arme und Schultern als ich. Im Dezember haben wir seit gefühlt Ewigkeiten mal wieder den Buggy aus dem Keller geholt. Der Frosch ist zwar inzwischen etwas groß dafür und doch fühlt er sich sichtlich wohl. Und hey, er bewegt sich so viel im Alltag, da kann er von mir aus gerne noch eine Weile im Buggy mitfahren. Der Lieblingsmann meinte zwar, das sei ein Rückschritt. Und doch haben wir den Spaziergang mit langen Schritten und mit schlafendem Kind im Buggy letzte Woche sehr genossen. Ist ja eigentlich sowieso total praktisch so ein Teil…

Momentan schaut der Lieblingsmann viele Mountainbike- und Downhill Videos mit dem Frosch. Letzte Woche meinte dieser auf die Frage, ob er so eine Cross-Strecke auch mal fahren wolle: „Wenn ich droß bin und Papa alt, dann fahre ich die!“

Na, mein Schatz, soooo alt ist der Papa dann auch noch nicht! Und bevor es auf solche Strecken geht, üben wir erstmal auf der Straße und im Wald… 😉 Ich weiß, der Frosch wird aufsteigen und losfahren, sobald er soweit ist. Ich bin mir sicher, dass wir im Jahr 2021 unzählige Fahrrad-Touren machen werden. Und sobald wir ein Gespann haben, werden wir auch wieder Motorrad-Touren als Familie machen können.

Das Abenteuer-Reisen wird immer ein Teil unseres ganz persönlichen artgerechten Lebens sein. Auch wenn es sich seit der Geburt unseres Sohnes verändert hat und sicher auch noch dauern wird, bis wir die nächste große Tour machen können. Doch das Bedürfnis nach Freiheit, Abenteuer und neuen Eindrücken kann ich mir bis dahin auch anders erfüllen.

Solange holen wir uns die kleinen Abenteuer in den Alltag, Zelten z.B. im Garten während der Pandemie oder machen Feuer, üben weiter mit dem Frosch das Fahrradfahren und versuchen Prioritäten auf unserer Reisewunschliste zu setzen – was zugegebenermaßen nicht leicht ist!

Und was ist artgerecht für dich und deine Familie?

Wie ist das denn bei dir? Was ist artgerechtes Familienleben für dich? Welche Bedürfnisse kannst du dir zur Zeit nicht mit den gewohnten Strategien erfüllen? Wie könnte es anders gehen? Welche Wünsche und Ziele hast du für dich und deine Familie für das Jahr 2021? Ich freue mich über deine Kommentare und Fragen.

Und wenn du Lust hast, dich mit anderen Eltern darüber auszutauschen, dann schau doch mal bei einem unserer Offenen Artgerecht Treffen am virtuellen Lagerfeuer vorbei:

Lasst uns reden! Denn reden hilft.

Ich freue mich auf dich!

Deine Wiebke