persönliches

Mein Weg zur Gelassenheits-Expertin – Wie ich dazu kam, eine Familienakademie zu gründen

Heute möchte ich dir eine Geschichte erzählen, wie ich wurde, was ich bin. Dazu durfte ich mich selbst erstmal fragen: Was bin ich eigentlich? Und über welches „Was“ möchte ich erzählen? Beim Schreiben ist mir nochmal klar geworden, ich lebe meinen Traum aus meiner Jugend. Ich helfe Menschen, ein gutes und glückliches – ein artgerechtes – Leben zu führen. Welche Meilensteine auf meinem Weg zur Gründung unserer Wurzeln & Flügel Familienakademie lagen, liest du in diesem Beitrag.

  1. 2000: Ich wurde Kinder- und Jugendgruppenleiterin bei der KjG St. Ludger. In der Bildungsstätte St. Altfrid lernte ich auch Traumreisen, Massagen und Snoezelen für Kinder kennen. Yeah! Ich habe es schon damals geliebt, meine Angebote in Gruppenstunden und Ferienfreizeiten mit diesen Methoden zu ergänzen.
  2. 2001 / 11. Klasse: Ich kündigte bei meiner Mutter an, dass das mit dem Latinum wohl nix wird. Ich fuhr minimalen Aufwand bei maximalem Erfolg: Ich stand 5 im Schriftlichen, sahnte eine 2 in der SoMi ab und bekam auf dem Zeugnis eine 4. Statt „Schule geht vor!“ dachte ich ab hier „Vier gewinnt!“ Denn Vier ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist fast Eins! Beim Thema Berufswahl trug ich den Wunsch im Herzen, Menschen zu helfen, ein gutes & glückliches Leben zu führen. Doch ich hatte keine Ahnung, wie ich das machen sollte. Irgendwas Soziales? Mein Lehramtsstudium brach ich noch im ersten Semester ab – mit einem in seinem Fundament erschütterten Mathe-Selbstbild.
  3. 2005-2011: Ich trat in Mamas (und Opas) Fußstapfen, wurde Beamtin und fragte mich 4 Jahre später, wie das nur passieren konnte. In einem Nebenfach im Studium an der FHF Nordkirchen ging es irgendwann um Stressmanagement. Auf meine Frage, was ich denn machen solle, wenn mich all diese To-Do-Listen schon stressen, wusste die Dozentin damals keine Antwort. Die sollte ich erst Jahre später finden. Kein Wunder, dass ich zwei Jahre nach meinem Abschluss ins Burn- bzw. (wie mir erst später klar wurde) Boreout geschlittert bin.
Oft wurde ich gefragt, wie ich einen so sicheren Job hinschmeißen kann. Die Vorstellung, noch 40 Jahre im Büro eingesperrt zu sein, fand ich jedoch absolut gruselig.
  1. 2010: Mein Feuer wurde wieder entfacht: Ich startete mein berufsbegleitendes Psychologie-Studium an der Fernuni Hagen! Im ersten Modul gabs erstmal einen Überblick über die Geschichte des Faches und ausgewählte Anwendungsbereiche. Und da war er plötzlich: Ein Exkurs über Achtsamkeit mit Hinweisen darauf, dass diese jahrtausendealte fernöstliche Praxis in empirischen Studien untersucht und ihre Wirksamkeit in verschiedenen Settings, zb der Psychotherapie und der Prävention von stressinduzierten Krankheiten belegt wurde. Hah, also doch kein Eso-Schischi das Ganze!
  2. 2011: Ich lernte Entschleunigung und Inklusion im schulischen Integrationsdienst und in der Behindertenhilfe. Als Integrations- und Alltagsassistentin habe ich einen Blick für Perspektiven, Barrieren und Privilegien entwickelt. An der GGS Mevissenstr. in Duisburg lernte ich, wie Inklusion und bedürfnisorientierter Unterricht aussehen können. So macht Schule Spaß! In der Alltagsbegleitung lernte ich hoch belastete Familien kennen und half, ihren Alltag leichter und schöner zu machen. Und ich lernte Demut vor dem Leben.
Das Bild zeigt ein Tshirt mit einem pinken Monster, das viele bunte Kuscheltiere hält. Der Schriftzug lautet "Monsters need Teddys, too"
Dieses Shirt habe ich mir in meiner Zeit an der GGS Mevissenstr. gekauft und es als Statement getragen. Es gehört noch heute zu meinen Lieblingen: „Monsters need Teddys, too!“
  1. 2014: Wahnsinn, der zweite Studienabschluss in der Tasche. Ich darf mich zwar nicht Psychologin schimpfen, aber ich bin Bachelor of Science Psychologie! Mit meiner Bachelorarbeit verliebte ich mich aufs neue ins Fach Community Psychology und schrieb über den Zusammenhang zwischen Sozioökonomischen Status, Gesundheit und Wohlbefinden. Ich fand einen riesengroßen Vermittler in diesen komplexen Zusammenhängen: Stress!
Gelbe Quietscheente im Sigmund Freud Style
Mein Quietsche-Enten-Freud wartet zur Zeit in einer Kiste im Lager auf einen besonderen Platz.
  1. 2016: Mein Unternehmerinnen-Geist wurde geweckt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Innovationsforschung habe ich gemerkt, dass Anwendung mir besser liegt als Forschung. Ich beschäftigte mich mit sozialen Innovationen und den Herausforderungen des demografischen Wandels und mir wurde klar: Es gibt so viel zu tun! So viele Möglichkeiten für mich! Mir fehlen zwar Disziplin und Fokus, um wirklich gut wissenschaftlich zu arbeiten (Vier gewinnt und so…). Das dürfen also andere machen, die darin besser sind als ich. Ich bin lieber im Feld unterwegs. Und ich liebe es!
  2. 2017: Die Frage war nur: Wo kann ich am meisten bewirken? Ich wurde Sozialarbeiterin in der Altenhilfe, doch erkannte, dass ich zurück ans andere Ende des Lebens will. Je früher wir anfangen, desto mehr Wirkung haben Präventionsprogramme für das ganze weitere Leben eines Menschen („Early Intervention„). Daher schrie mein Psycho-Herz ein lautes „JAAAA!“ als ich nach der Geburt meines Sohnes das Artgerecht Projekt von Nicola Schmidt fand. Mein Wunsch aus der Schulzeit, Menschen zu einem guten und glücklichen Leben zu verhelfen, wurde konkreter. Ich machte mich auf die Suche: Was ist denn eigentlich artgerecht für uns Menschen?
  1. 2018: Mein erster Urlaub für Kopf und Herz in der Elternzeit. Ich war zwar im M.Sc. Psychologie eingeschrieben, die letzte Klausur (natürlich: Community Psychology) schrieb ich mit Frosch im Bauch. Doch in der Elternzeit merkte ich, dass ich nicht noch mehr Wissen ansammeln, sondern ins Tun kommen wollte. Mit meiner Ausbildung beim IKS Hagen für „Willkommen, Gelassenheit!“ hatte ich alles, was ich brauchte, um mich (zunächst nebenberuflich) selbstständig zu machen.
Susanne Schlößer und Wiebke Joormann-Scholz. Letztere trägt ihr Kind auf der Hüfte.
In der Hebammenpraxis Bauchgefühl von Susanne Schlößer bot ich 2019 erstmalig Stressmanagement-Präventionskurse an. Heute leite ich hier Babygruppen. Susanne hat mich nicht nur in Schwangerschaft und Wochenende begleitet, sondern war auch von Anfang an bei der Geburt meines Business-Babys dabei. Danke!
  1. 2019: Ich fand meine Zielgruppe. Beim Lesen des druckfrischen Buches „Erziehen ohne Schimpfen“ von Nicola Schmidt fiel die Entscheidung, mit welchen Menschen ich arbeiten will: Eltern und pädagogische Fachkräfte. Denn Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Sowohl zu Hause als auch in Schule und Kindergarten. Jeden Tag erleben viel zu viele Kinder Gewalt, nur weil wir Großen es nicht schaffen, unseren Stress auf gesunde Weise zu regulieren. Das darf nicht sein!
  2. 2019: Wir wollen ein Haus und unser Dorf in Duisburg bauen. Wir ahnten nicht, dass wir 2,5 Jahre nach Bauantrag immer noch keine Genehmigung haben. Wie ich in der Situation so gelassen und gut gelaunt bleiben kann, werde ich seither mindestens genauso oft gefragt, wie was unser Haus macht. Und ganz ehrlich? Manchmal weiß ich es auch nicht so genau. Vor allem hilft mir die Vorfreude auf unser Fair Trade Holzhaus und das Bild unseres Vorgartens mit Wildblumen und Bienengesumm in meinem Kopf. Und atmen. Einfach weiter atmen.
  1. 2020: Ich fand mein Puzzlestück und sprang ins Abenteuer Gründung. Das erste Treffen mit Judith im Inizio war ein absoluter Schlüsselmoment, denn zusammen mit ihr konnte ich meinem Traum einer „intergenerationalen Familienbildungsstätte“ endlich eine konkrete Form geben. Im Jahresrückblick 2020 liest du ausführlich über unser Gründungsjahr und wie wir das alles mit Lockdowns und dem Sprung ins kalte Wasser namens Online-Business gemeistert haben.
Judith Grommes und Wiebke Joormann-Scholz im Inizio vor einem Selfie-Rahmen
Judith und ich in unserem „Espressobar-Büro“ Inizio – hier haben wir uns das erste Mal getroffen und schon viele, viele Team-Meetings abgehalten.
  1. 2020: Ein Traum wurde war – endlich artgerecht Coach! Endlich lernte ich Nicola Schmidt persönlich kennen. Was war ich aufgeregt! Sie ist ein wandelndes Lexikon und ein großartiges Vorbild in Selbstfürsorge. Da bin ich nun also mit dem Thema „infant mental health“ bei „earliest intervention“ angekommen. Denn die ersten 1000 Tage im Leben eines Kindes sind die wichtigsten. Stärken wir die Eltern, stärken wir dir Kinder! Einen besonderen Motivationsschub habe ich im Fachmodul „Säuglingstemperamente & Mutter-Burnout“ bei der zauberhaften Anna Hofer bekommen. Meine Reise im Artgerecht Projekt ist noch lange nicht zu Ende und ich freue mich auf viele weitere Fortbildungen. Als nächstes steht im November 2022 Kinästetik Infant Handling bei Liane Emmersberger an.
  1. 2021: Mir wurde zunehmend klar, wie sehr die Welt mich braucht. Die weltweite Krise mit dauerhaftem Ausnahmezustand hat so viele Missstände offengelegt. Die Belastung für Familien, insbesondere für uns Frauen, war schon vorher extrem und nun wurde dem Ganzen noch eine Schippe drauf gelegt. Und noch eine. Und noch eine. Viel zu lange wurde die mentale Gesundheit von Kindern und Familien mit Füßen getreten. Viel zu lange wurden die psychosozialen Auswirkungen der Maßnahmen ignoriert. Es gibt so viel zu tun!
  2. 2022: Unser Wurzeln & Flügel Team wächst! Dank Mareike sind wir den nächsten Schritt gegangen. Während unseres Sauna & Wellness-Team-Meetings im Februar fing sie plötzlich an, nach Gewerbeimmobilien zu suchen. Und schlussendlich haben wir einige Wochen, einige intensive Gespräche mit unserem Investor und einige besichtigte Objekte später an Gründonnerstag wirklich einen Mietvertrag unterschrieben.
  1. Heute stecken wir mitten in der Renovierung und stehen kurz vor der Eröffnung unserer Familienakademie in Duisburg. Ein großer Traum wird wahr. Hier will ich sein und wirken. Hier bin ich richtig. Wir wollen einen Unterschied machen in unserer wunderschönen Stadt Duisburg und darüber hinaus. Wir stärken Familien von Anfang an und damit auch uns alle für die Zukunft. Wir verändern die Welt! Was freue ich mich auf den Moment, wenn wir die Pforten unserer Wurzeln & Flügel Familienakademie in echt und zum Anfassen endlich öffnen!

Dieser Beitrag ist entstanden im Rahmen der #boomboomblog2022 Challenge mit Judith Sympatexter Peters. Danke für diese wieder mal sehr inspirierende und energievolle Woche!

5 Kommentare

  • Monika Bodenstein

    Liebe Wiebke, vielen Dank für den Einblick in deine absolut spannenden Lebensstationen. Kaum auszudenken, was für ein Verlust es gewesen wäre, wenn du Beamtin geblieben wärst. Alles Gute für die Familienakademie. LG Monika

  • Anke

    Liebe Wiebke,
    Deinen Blog habe ich sehr gerne gelesen!
    Er ist interessant, humorvoll und nimmt einen gut mit, danke dafür! Was für ein super schönes Berufsfeld du gefunden hast, und dass Du so eingebunden bist ist, wundervoll! Ich habe dank deines Blogs doch nochmal Mut gefasst auch dieses Thema „wie ich wurde was ich bin“ selbst anzugehen. Damals, bei der ersten Challenge von Judith Peters habe ich vor Angst die Segel gestrichen ;o)
    Alles Liebe für Dich ubd Euch, Anke

    • Wiebke Joormann-Scholz

      Liebe Anke, herzlichen Dank für deine Wertschätzung! Ich freue mich sehr, dass ich dich damit ermutigen konnte, das Thema selber auch nochmal anzugehen. Den Beitrag zu schreiben, hat sehr viel Freude gemacht. Von daher: Go for it! Ganz nach dem Sympatexter-Motto #bloglikenobodysreading

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