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Warum ich windelfrei liebe

Babys werden in unserer Gesellschaft immer mit Windel am Po dargestellt. Für viele Menschen ist es ein völlig abwegiger Gedanke, ein Baby ohne Windeln zu lassen. Sie glauben, dass Babys keine Kontrolle über ihren Schließmuskel haben. Doch mal Hand aufs Herz: Ich habe noch kein einziges Baby gesehen, dass 24/7 ausläuft. Babys sind nicht „undicht“. Ganz im Gegenteil. Sie teilen uns sogar (mehr oder weniger) klar mit, wenn sie das Bedürfnis verspüren auszuscheiden. Und sie können – eine gewisse Zeit lang – warten bis sie tatsächlich loslassen. Und genau darum geht es bei windelfrei: Nicht etwa um Kontrolle und Einhalten, sondern um das Loslassen und Entspannen. Und um Kommunikation. Warum ich windelfrei lieben gelernt und nicht mehr aus meinem Alltag wegdenken kann, das erzähle ich dir in diesem Blogbeitrag.

Wie alles begann: Unser wildelfrei-Start

Schon in der Schwangerschaft mit unserem Sohn haben mein Mann und ich uns dafür entschieden, dass wir ihn mit Stoffwindeln wickeln wollen. Denn wir wollten nicht in den ersten Lebensjahren unseres Kindes mit den modernen Wegwerfwindeln und ihren Superabsorbern einen riesigen Haufen Sondermüll produzieren. Zwar bekamen wir keine klassische Windeltorte zur Geburt geschenkt, dafür aber ein Pampers-Motorrad. Dieses brauchten wir erstmal auf und tasteten uns langsam an die Stoffwindel-Wickelei heran. Es galt nämlich zunächst, die richtigen Einstellungen der Beinbündchen, die richtige Saugeinlagen Kombination zu finden und überhaupt das Handling (auch mit dem Säugling) zu lernen…

Als ich mich so ins Thema einlas und zu experimentieren begann, stolperte ich das erste mal über das Stichwort „windelfrei“. Immer wieder las ich, wenn es um das Thema Pupu-Windeln und ihr Handling ging: „Versuch doch mal, einfach abzuhalten. Bei uns landet das große Geschäft nur noch im Töpfchen.“ Häääh? Wie jetzt? Schon mit Babys aufs Pötti? Das war für mich ein völlig neuer Gedanke, denn ich bin groß geworden mit diesem Pampers-Bild von Babys in meinem Kopf. Da gehört doch eine Windel dran. Oder etwa doch nicht?

Im Artgerecht Baby Buch von Nicola Schmidt las ich dann das Kapitel über windelfrei. Wow! Das geht? Tatsächlich hatte ich bei unserem Sohn bereits beobachtet, dass er oft genau dann pinkelte, wenn die Windel aufgemacht wurde. Die Idee, dass Babys lieber außerhalb der Windel ausscheiden würden, war für mich also gar nicht mehr so abwegig. Ich war zunehmend begeistert und erzählte meinem Mann davon. Der war zunächst skeptisch, wenn auch offen. Denn zu diesem Zeitpunkt beobachteten wir bei unserem 5 Wochen alten Sohn bereits, dass dieser morgens nacheinander bis zu fünf (!) Windeln in 30 Minuten volldonnerte. Dazu hatte er über Tag immer wieder feuchte Pups-Windeln. Also lass uns doch mal ausprobieren, ob er morgens vielleicht auch Pupu aufm Pötti macht!

Wir also zum Schweden, um ein Pötti zu kaufen. Und am nächsten Morgen – ich hatte vorher einige Videos vom artgerecht Projekt u.a. zur Windelfrei Woche 2013 auf Youtube angeschaut – hielt ich unseren Sohn das erste Mal mit dem Rücken angelehnt an meinen Bauch in einer Hockhaltung über sein Pötti und bot ihm an, sein großes Geschäft hier zu verrichten. Sein Lächeln war unbezahlbar.

Von nun an wurde die morgendliche Sitzung aufm Pötti mit Bilderbüchlein zum festen Ritual. Auch bei jedem Wickeln bot ich ihm das Pötti an, was er mal annahm und mal auch deutlich ablehnte. Oft war genau das die Lösung, wenn er unzufrieden war und ich nicht wusste, warum. Er musste halt mal und fühlte sich deshalb unwohl. Häufig konnten wir die Stoffwindel direkt nach dem Abhalten einfach wieder anziehen – oder zum Lüften und fürs nächste Mal liegen lassen. Feuchte Pupse kamen kaum noch vor, denn der kleine Mann konnte ja nun regelmäßig alles über dem Pötti raus lassen. So haben wir die Ökobilanz unserer Stoffwindeln nochmals verbessert.

Bis ich mich traute, auch zwischen dem Abhalten oder unterwegs die Windel weg zu lassen, dauerte es allerdings noch etwas. Mein erster windelfreier Ausflug in den Supermarkt endete mit einem nassen Rücken und dem Tragetuch in der Waschmaschine… Dabei hieß es doch, Babys pinkeln im Tragetuch nicht. Naja, meins schon. Und so blieben wir zunächste die meiste Zeit dabei, ihm trotz des regelmäßigen Abhaltens eine Stoffwindel um den Po zu wickeln. Später stiegen wir auf Trainerhosen als Backup um, die ähnlich wie eine Unterhose funktionieren und gleichzeitig noch einen gewissen Schutz bei Unfällen bieten.

Windelfrei bedeutet eben nicht (unbedingt), die Windel komplett weg zu lassen. Windelfrei ist so viel mehr als das. Windelfrei ist Kommunikation, wie auch schon der englische Begriff „Elimination Communication“, also Ausscheidungskommunikation, viel treffender beschreibt als der im deutschsprachigen Raum etablierte Begriff. Und so braucht windelfrei vor allem die Bereitschaft, über Pipi und Pupu zu reden. Leider sind Ausscheidungen ja oft mit ganz viel Scham behaftet und vielen fällt ein entspannter Umgang damit (zunächst) schwer.

Bei windelfrei geht es ums Loslassen und nicht ums Einhalten oder Kontrolle. Baby-Blasen sind noch klein, daher müssen sie recht häufig Pipi machen. Doch sie laufen nicht permanent aus. Der Schließmuskel funktioniert einwandfrei und auch ein Baby muss – wie wir Großen – loslassen, damit es pullern kann. Es geht also um Entspannung und funktioniert ganz und gar nicht mit Druck oder Zwang. Das Abhalten ist ein Angebot, das ich meinem Kind mache. Eine wundervolle Möglichkeit, ein weiteres Bedürfnis meines Kindes zu sehen und zu stillen: Sich beim Ausscheiden nicht dreckig zu machen. Und genau deshalb liebe ich windelfrei.

Unser Windelfrei-Alltag: Teilzeit-Windelfrei und zahlreiche wertvolle Bindungsmomente

Wir wurden also zu waschechten windelfrei-Eltern. Die Frage danach, ob unser Baby mal muss wurde in die Reihe von Fragen aufgenommen, die wir Eltern uns eben stellen, wenn das Baby unzufrieden ist: Hat es Hunger? Ist es müde? Ist ihm langweilig? Kalt? Und dann eben auch: Muss es vielleicht mal?

Und so hielt ich unseren Sohn z.B. auch während der Krabbelgruppe ab, was mir unzählige staunende – aber auch teilweise sehr abwehrende – Blicke eintrug. Auch im Stillcafé waren wir mit den Stoffwindeln und dem Abhalten ziemliche Exoten. Und jedes Mal wies die Stillberaterin die anderen darauf hin: „Schaut mal, hier könnt ihr euch Stoffwindeln anschauen. Und die Wiebke hält ihr Baby sogar ab. Das ist so toll!“ Zwar begegnete mir häufig ganz viel Neugierde, aber die meisten schlossen: „Das wäre mir viel zu aufwändig!“

Doch ist es das wirklich? Für mich wurde es zur Normalität und schlussendlich unterscheidet sich der Alltag mit windelfrei-Baby nur marginal vom „klassischen“ Wickeln. Es kommt lediglich zu einer anderen Routine, zu anderen Abläufen und – ganz wichtig – zu einer anderen Grundeinstellung. Denn Ausscheidungen sind nicht ekelig. Sie sind ein ganz natürlicher Vorgang unseres Körpers. Wir nehmen Nahrung zu uns und verwerten diese. Die Reste, die unser Körper nicht braucht, werden eben wieder ausgeschieden.

Unterschiedliche Abläufe und Routinen beim „klassischen“ Wickeln und beim „Wickeln nach Bedarf“ / Windelfrei – Mehr Aufwand? Ich finde nicht!

Gleichzeitig habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass Wickeln mit Wegwerfwindeln wirklich manchmal ganz schön ekelig sein kann. Denn wer kennt sie nicht: Die berühmten Rückenkrabbler. Wenn nicht nur Babys Po sauber gemacht werden muss, sondern nach einer „Pupu-Plosion“ eigentlich nur noch die Dusche bzw. ein Bad hilft. Und eine komplett neue Garnitur an Kleidung. Mit Stoffwindeln haben wir sowas nie erlebt und dank Abhalten sind rückblickend geschätzt 95% der großen Geschäfte im Pötti gelandet. Und ganz ehrlich? Ein Pötti in der Toilette auszuleeren erscheint mir nach wie vor sehr viel weniger ekelig und aufwändig, als ständig mein Kind von oben bis unten zu säubern. Oder wie siehst du das?

Die Kombination aus Wickeln, Abhalten und später auf dem Pötti sitzen hat uns zahlreiche wundervolle Bindungsmomente beschert. Die morgendlichen Sitzungen erst auf dem Wickeltisch, später am Bücherregal, das Vorlesen und auch zahlreiche echt intensive Gespräche mit meinem Sohn, waren und sind ein wichtiger Ankerpunkt in unserem Alltag. Das Pötti war lange Zeit ständig dabei und kommt auch heute noch mit, wenn wir z.B. irgendwo übernachten. Inzwischen hören wir zwar auch manchmal Sätze wie „Ich gehe mal nach oben, alleine Pipi machen.“ Doch noch heute fordert der Frosch nach wie vor manchmal ein: „Nein, das Pötti soll in mein Kinderzimmer! Und du sollst mitkommen, Mama!“

Es hat lange gedauert, bis der Frosch auch auf große Klos ging. Außer bei der Tagesmutter, da hat es mit Treppen-Aufsatz von Anfang an so richtig gut geklappt. Ich bin noch heute dankbar, dass sie so neugierig und offen war, sofort die Stoffwindeln (und den Umstieg auf Trainerhosen) akzeptiert und unseren Sohn dabei unterstützt hat, auch dort sein Geschäft außerhalb der Windel zu machen.

Babys haben ein Gefühl für ihre Ausscheidungen – warum trainieren wir ihnen das ab?

Hersteller von modernen Wegwerfwindeln werben vor allem mit dem Trockenheitsgefühl bis zu 12 Stunden. Dies wird durch die Superabsorber erreicht, die Flüssigkeiten schnell aufsaugen und binden. Klingt ja erstmal super, oder? Doch das trügt, denn was passiert dabei? Vor allem verlieren Babys ihr Gefühl für ihre Ausscheidungen. Sie bekommen kein Feedback über Nässe. Sie lernen nicht, was passiert, wenn sie loslassen.

Oft wird davon gesprochen, dass Kinder erst mit zwei bis drei Jahren die nötige „Gehirnreife“ besitzen, um trocken zu werden. Doch das ist nur der Fall, wenn sie als Babys verlernt haben, auf dieses Gefühl zu hören. Tatsächlich melden die meisten Babys sich besonders in den ersten vier Lebensmonaten noch sehr intensiv, dass da im Bauch was zwickt und komisch ist. Doch wenn wir ihr Ausscheidungsbedürfnis ignorieren, dann lernen sie, dass dieses Bedürfnis nicht wichtig ist. Die Nervenbahnen im Gehirn werden abgebaut und so trainieren wir Babys ab, dieses Bedürfnis zu äußern. Und dann erwarten wir von ihnen mit zweieinhalb oder drei Jahren, dass sie sich – natürlich möglichst schnell – von der Windel verabschieden. Plötzlich sollen sie wieder auf ihre Ausscheidungen achten und müssen diese Körperfunktion ganz neu kennenlernen. Ist das nicht paradox?

https://www.instagram.com/p/CN9jR-ONfEh/
Windelparadoxon in Deutschland.

Ich finde das tatsächlich nicht nur paradox, sondern vor allem unnötig anstrengend! Denn mit wenig Aufwand kann ich dieses Gefühl für die natürlichen Körperfunktionen von Anfang an aufrecht erhalten. Dann gelingt der „Absprung“ von der Windel häufig früher und vor allem leichter. Tatsächlich beobachten wir in der westlichen Welt den Trend, dass Kinder zunehmend später noch abhängig von der Windel sind. Das ist in meinen Augen sehr bedenklich, nicht nur mit Blick auf die Umwelt sondern auch auf die Gesundheit der Kinder.

Windelfrei ist gut für die körperliche und mentale Gesundheit

Ausscheidungen sind normal und nichts, wofür man sich zu schämen braucht. Ja sicher, ist so eine Pupu-Plosion nicht unbedingt lecker. Und spätestens mit Beikost-Start wird auch dieser schon fast liebliche Duft des Muttermilchstuhls abgelöst. Trotzdem ist es nicht gerade hilfreich ein Baby voller Ekel und Abscheu sauber zu machen. Was lernt es daraus? Es lernt, dass sein Körper und seine natürlichen Funktionen ekelig und dreckig sind. Im schlimmsten Fall entwickelt das Kind eine große Scham, wenn es um Ausscheidungen geht. Es sagt im Zweifelsfall nicht bescheid, sondern versteckt sich vielleicht, um Pupu zu machen. Oder es beginnt sogar, Stuhl zurückzuhalten und kann ernsthafte Verstopfungen entwickeln. Mitunter entsteht hier ein Teufelskreis, wenn z.B. abführende Medikamente ins Spiel gebracht werden, um ein körperliches Symptom zu lindern, dessen Ursache eigentlich psychisch bedingt ist.

Drüber hinaus ist windelfrei die beste Prävention von Windeldermatitis und Blaseninfekten. Windeldermatitis ist eine ernsthafte Hauterkrankung, die durch das feuchte Milieu in Kombination mit unnötigen Lotionen und chemischen Zusätzen in Wegwerfwindeln stark begünstigt wird. Dann cremen wir, tupfen Muttermilch oder schwarzen Tee auf oder versuchen sonst eine Lösung zu finden. Dabei könnte es so einfach sein: Ganz viel Luft am Popo!

Wieso ist Abhalten gut gegen Blaseninfekte? Ganz einfach: Ein Baby, das abgehalten wird, lernt, die Blase komplett zu leeren. Ein Baby, das die Verbindung zu seinem Ausscheidungsbedürfnis verliert, lässt dagegen i.d.R. nur ein paar Tröpfchen raus und ein Teil des Urins verbleibt in der Blase. Hierdurch kann – sowohl in der Windel als auch in der Blase – ein Herd für Krankheitserreger entstehen. Es drohen schmerzhafte Blasen- und Harnleiterinfekte, die wiederum oft medikamentös behandelt werden müssen.

All das können wir unseren Babys ersparen, wenn wir einen gesunden und entspannten Umgang mit Ausscheidungen lernen.

Stressfrei windelfrei: Ja, das geht!

Wie soll das denn funktionieren? So oft habe ich in Gesprächen mit anderen Eltern den Einwand gehört, dass das Ganze ja viel zu aufwändig und schlicht nicht die Zeit da sei, das Baby den ganzen Tag zu beobachten und auf seine Signale zu achten. Und ja, auch ich habe mich manchmal gefragt, warum ich mir den Scheiß eigentlich antue. Es hätte doch so viel einfacher sein können! Doch es gab keinen Weg zurück für uns. Klar gab es auch bei uns Situationen, in denen ich meinem Kleinen gesagt habe „Du, ich sehe, dass du mal musst. Leider haben wir kein Pötti dabei und auch keinen Busch in der Nähe. Du kannst jetzt in die Windel machen und ich mache dich gleich sauber.“ Auch das ist in Ordnung!

Denn: Zwei Mal am Tag Abhalten reicht aus, damit das Baby das Gefühl für seine Ausscheidungen behält. Windelfrei ist kein Super-Mutter-Contest, hier darf jede Familie ihren ganz eigenen Weg finden. Es gilt, den Druck sowohl für das Kind als auch für uns Große rauszunehmen. Windelfrei ist ein Angebot, kein Muss! Und es wird auch immer wieder Phasen geben, in denen das Kind andere Dinge wichtiger findet, als sich um seine Ausscheidungen zu kümmern. Wenn es z.B. gerade lernt, sich zu drehen, zu krabbeln, zu laufen oder zu sprechen. Oder auch wenn es ausprobiert, wie lange es denn nun das Pipi im Bauch halten kann. Das alles ist so spannend, dass es manchmal zu sogenannten „Abhalte-Streiks“ kommt. Plötzlich geht wieder gefühlt alles daneben. Pfützen und nasse Kleidung sind die Folge. Oder eben wieder mehr Windelwäsche. Doch häufig gehen die Kinder hier lediglich mal einen Schritt zurück – um Anlauf zu nehmen für den nächsten Entwicklungssprung.

In solchen Phasen sind dann Backups – am besten welche, die dem Kind ein Nässefeedback geben – die beste Wahl, um den Stress rauszunehmen. Irgendwann stellt das Kind fest, dass es doch angenehmer ist, mal schnell aufs Pötti oder die Toilette zu gehen. Denn dieses ständige aus- und wieder anplörren ist ja auch ganz schön nervig. In diesem ganzen Prozess kann es sinnvoll sein, Teppiche wegzuräumen und empfindliche Möbel z.B. durch wasserdichte Auflagen zu schützen. Auch das nimmt den Druck, immer 100% aufmerksam zu sein. Kann passieren! Wischen und Lächeln!

Die passende Waschroutine nimmt ebenfalls Stress raus. Für uns war es kein großer Unterschied zu vorher als wir die Windeln komplett weggelassen haben. Zwar hatten wir nun mehr Buntwäsche (und einen zunächst immens gestiegenen Bedarf an Hosen), aber dafür fiel ja auch die ganze Windelwäsche weg.

Wenn du nun neugierig geworden bist, habe ich hier zusammenfassend noch ein paar Tipps für deinen entspannten Start mit windelfrei: Du brauchst

  • Ein Baby
  • Neugierde und Experimentierfreude
  • Humor („Lächeln und Wischen!“)
  • Bereitschaft über Pipi und Pupu zu reden und
  • die Scham über Ausscheidungen loszulassen.

Hilfreich ist auch, wenn du dir Wissen rund um das Ausscheidungsbedürfnis von Babys aneignest. Wenn du z.B. weißt, dass dein Baby aufgrund des Hormonhaushalts morgens öfters pullert als nachmittags, kannst du das nutzen, um ganz entspannt nachmittags zu starten und dein Baby nackig strampeln lassen. Du kannst es beobachten und lernen, wie dieses zauberhafte Wesen dir mitteilt, dass gleich Pipi oder Pupu kommen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die du dir anschaffen kannst, aber nicht musst. Du brauchst im Grunde noch nicht mal ein Pötti, du kannst dein Baby auch einfach über dem Klo, dem Waschbecken oder der Badewanne (Mumi- und Pre-Stuhl sind wasserlöslich) abhalten. Praktisch ist es jedoch allemale. Auch für unterwegs gibt es Lösungen. Wir haben uns da für Hundekotbeutel (ja, wirklich!) entschieden, andere nutzen Sandeimer als (unauffälliges) mobiles Abhaltegefäß oder auch eigens dafür konzipierte Produkte. Auch Abhaltekleidung gibt es, die es dir im Alltag einfacher machen, z.B. SplitPants oder spezielle Abhalte-Windeln. Der Markt wächst und es lohnt sicher, dich umzuschauen und auszuprobieren, was zu dir passt. Wir persönlich sind hier jedoch lediglich ziemlich schnell vom Body hin zu Unterhemden gewechselt und haben selten Einteiler benutzt, um uns die ganze Friemelei zu sparen. Hose runter, Windel ab und Go!

Was bleibt, wenn das Kind größer wird?

Kinder, die abgehalten werden, werden häufig – aber nicht immer – früher trocken und können meistens bei Eintritt in den Kindergarten selbstständig oder mit minimaler Hilfe auf die Toilette gehen. Das ist nicht nur gut für das Erlebnis von Autonomie und Selbstwirksamkeit auf Seiten des Kindes, sondern entlastet auch die Pädagog:Innen in den Betreuungseinrichtungen.

Für mich persönlich bleibt noch so viel mehr. Inspiriert durch die Stoffwindelei habe ich mich auch intensiv mit Damen-Hygiene-Produkten beschäftigt und mich auch hier von Wegwerfartikeln verabschiedet. Und so wie ich früher Stoffwindeln gewaschen habe, landen heute meine Slipeinlagen in der Waschmaschine statt im Mülleimer. Ich nutze eine Menstruationstasse, die ich reinigen kann und die mir hilft auch jetzt im Alltag unnötigen Müll rund um die Körperhygiene zu vermeiden. Denn auch das bedeutet windelfrei: Die Freiheit von der Abhängigkeit von Hygiene-Einweg-Produkten.

Unsere Stoffwindeln sind inzwischen in einem Karton im Keller eingelagert und warten auf den nächsten Einsatz. Mal sehen, wann ich diese Schätze wieder auspacken darf. Dann wird es sich noch besser anfühlen, denn durch die Wiederverwendung sind die eingesetzten Rohstoffe bei der Herstellung noch besser genutzt.

Schlussendlich bedeutet windelfrei für mich eine wundervolle Möglichkeit, die Ressourcen unserer Erde zu schonen und einen Beitrag zu leisten, dass die Müllberge, die wir unseren Kindern hinterlassen ein kleines bisschen kleiner werden. Und wenn ich nur eine weitere Familie dafür begeistern kann, habe ich schon viel gewonnen.

Mein Alltagswissen aus meinen eigenen Erfahrungen mit windelfrei habe ich durch meine Ausbildung beim artgerecht-Projekt noch vertieft. Wenn du Fragen hast und mehr über windelfrei wissen möchtest, dann kontaktiere mich gerne und wir schauen, wie ich dich auf diesem Weg unterstützen kann.

Es gäbe für mich noch so viel mehr über windelfrei zu erzählen, denn ja: Ich liebe es! So bin ich in diesem Beitrag zum Beispiel noch nicht auf das Thema „windelfrei nachts“ eingegangen, das könnte allein einen umfangreichen weiteren Blogbeitrag ergeben. Ich habe nichts zum Thema „Timing“ geschrieben und mit welchen Rhythmen und Ritualen wir unsere Babys beim sauber bleiben unterstützen können. Ich bin nicht auf die Vermittlung von sozialen Regeln („Pipi gehört ins Pötti und nicht auf den Boden“) eingegangen und was dabei zu beachten ist, um den Druck nicht zusätzlich zu erhöhen. Auch das Thema „Späteinsteiger“ habe ich hinten über fallen lassen, denn da gibt es noch viele weitere Punkte zu beachten, die wichtig zu wissen sind. Doch nun soll an dieser Stelle für mich erstmal Schluss sein, denn ich bin mir sicher, dass du zu all diesen Fragen in der kommenden Woche Antworten finden wirst.

Internationale Windelfrei Woche 2021

Unter dem Motto „Raus aus der Blase“ haben drei zauberhafte Kolleginnen von mir einen Aufruf gestartet, das Thema windelfrei bekannter zu machen. Und so wirst du vom 26.04. bis zum 02.05.2021 in den sozialen Medien und im Netz unendlich viele Informationen rund um windelfrei finden können.

https://www.instagram.com/p/CNkkXrclQGC/

Ein großes Danke für die Organisation der Internationalen Windelfrei Woche 2021 gilt besonders dem Orga-Team:

Ich bin selbst gespannt, auf viele Beiträge, Experten-Interviews, Erfahrungsberichte und wertvolles Wissen rund um windelfrei. So werde ich z.B. jeden Tag bei Liane Emmersberger vorbeischauen, die bei Youtube ihre Playlist Achtsames Windelfrei & Abhalten weiter füllen wird. Hier wird es auch für mich noch viel zu lernen geben.

Danke für die viele Arbeit und Energie, die ihr in dieses Projekt gesteckt habt. Ich freue mich, mit diesem Blogartikel einen Beitrag zu leisten und uns „Raus aus der Blase“ zu holen.

PS: Alle Links zu Produkten rund um Stoffwindeln und windelfrei sind unbezahlte Werbung aus Überzeugung.

PSS: Bei der Erstellung dieses Beitrages wurde ich unterstützt und begleitet von der inspirierenden Judith Sympatexter Peters, die mich im Rahmen ihrer #BoomBoomBlog Challenge zu diesem Herzenthema angestiftet hat. Sie selbst hat gemeinsam mit über 1000 Teilnehmenden über das Thema geschrieben, das sie liebt: Das Bloggen.

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