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Warum ich es liebe Kindern ihre Superheldenkraft zu zeigen

Kinder lieben Superhelden. Egal ob Junge oder Mädchen, groß oder noch ganz klein. Sie alle haben so ihre Superhelden. Bei den einen ist es vieleicht Feuerwehrmann Sam, die Paw Patrol oder die PJ Mask, bei den Größeren sind es dann Spiderman, Batman und Co.
Doch was macht einen echten Superhelden eigentlich aus?
Ist doch klar: Jede:r Superheld:in hat eine besondere Fähigkeit. Sie können zum Beispiel fliegen, superschnell rennen, an Wänden hoch klettern oder oder oder.


Warum ich es liebe, Kindern ihre persönliche Superheldenkraft zu zeigen, dass möchte ich euch in diesem Blogartikel erzählen,

Ein Junge auf dem Spielplatz im Spiderman Kostüm
Mein Sohn als Spiderman auf dem Spielplatz

Haben unsere Kinder eine Superheldenkraft??

Meiner Meinung nach haben wir alle eine Superheldenkraft in uns! Leider nutzen wir sie viel zu oft gar nicht.
Unsere Superheldenkraft sind nämlich unsere Gefühle! Die haben wir alle und die sollten wir erstmal annehmen wie sie sind. Dabei ist es ganz egal, ob es nun gute oder schlechte Gefühle sind. Sie sind halt da und das ist auch erstmal gut so. Denn jedes Gefühl darf sein. Jedes Gefühl ist wichtig. Sie sind unsere innerer Kompass. Sie zeigen uns den Weg durchs Leben. Gerade unsere Kinder nutzen diesen Kompass zum Glück meist noch sehr intuitiv und hören auf ihn. Wenn wir Großen sie denn lassen. Das große Problem ist nämlich, dass wir oft gelernt haben, unseren Kompass zu ignorieren. Wir Erwachsene unterdrücken unseren Kompass oft oder schieben ihn zur Seite. Unseren Kindern sprechen wir manchmal ihre Gefühle sogar ab. Das meinen wir natürlich nicht böse, im Gegenteil. Meist ist es uns gar nicht bewusst. Da rutschen uns dann so Sätze raus wie: „Da brauchst du jetzt gar nicht so wütend sein“ oder „Da brauchst du doch keine Angst zu haben.“
Aber ist es denn wirklich die Wut oder Angst, die uns stört? Oder ist es vielmehr das Verhalten, das uns stört?

Ich finde es wichtig, dass Kinder wissen, dass das Gefühl erstmal völlig in Ordnung ist. Jeder darf mal wütend, ängstlich, fröhlich, mutig sein oder jedes andere Gefühl haben. Was wir mit dem Gefühl dann machen und wie wir dann Handeln, das ist dann wieder etwas anderes. Denn auch wenn ich mal wütend bin, darf ich natürlich trotzdem niemanden verletzen oder Sachen von anderen kaputt machen. Das Gefühl darf sein, doch nicht jede Handlung ist OK. Genau das zeige ich den Kindern.

Wie Kinder lernen ihre Superheldenkraft zu nutzen

Gemeinsam mit den Kindern spreche ich in meinen Trainings darüber, welche Gefühle es überhaupt gibt. Da sind schöne Gefühle und schlechte Gefühle und die sind alle erstmal da. Und vor allem sind sie alle erlaubt. Mit den gesammelten Gefühlen erstellen wir dann einen Gefühlskompass. Hier kommen alle Gefühle rein, die die Kinder kennen. Dieser Kompass ist unser Wegweiser. Er zeigt den Kindern den Weg und er hilft ihnen, sich erstmal ihrer Gefühle bewusst zu werden. Ein Kind, das weiß, dass es wütend ist, kann überlegen, was es braucht, damit es nicht mehr so wütend ist. Was da helfen kann ist natürlich bei jedem anders. Mal reicht es, feste mit dem Fuß aufzustampfen, andere machen vielleicht 10 Hampelmänner oder rennen eine Runde durch den Garten. Hauptsache ist, die Wut darf sein und sie darf raus.

Genau so ist das natürlich auch mit den guten Gefühlen. Auch die dürfen sein. Gerne sogar ganz viele davon. Doch auch hier ist nicht jede Handlung in Ordnung. Nur weil ich total aufgeregt bin, weil ich am Wochenende Geburtstag habe und die Freunde zu Besuch kommen, heist das nicht, das ich im Unterricht mit der besten Freundin über die geplante Feier quatschen darf, anstelle dem Unterricht zu folgen. In der Pause hingegen darf ich mich gerne mit der Freundin darüber austauschen.

Nun ist es natürlich so, das wir es am liebsten hätten, wenn unser Gefühlskompass immer auf die grüne Seite mit den guten Gefühlen zeigen würde. Tatsache ist jedoch, jeder von uns hat auch einfach mal schlechte Gefühle. Anstelle uns jetzt auf diese zu konzentrieren, sollten wir überlegen, was wir tun könnten, um unseren Kompass wieder zu drehen. Hinter jedem Gefühl, steckt im Grunde ein Bedürfnis. Wird dieses erfüllt, fühlen wir uns gut, der Kompass zeigt auf die grüne Seite. Werden unsere Bedürfnisse nicht erfüllt, fühlen wir uns schlecht, der Kompass zeigt auf die rote Seite.

Den Kindern hilft es unglaublich, den Gefühlskompass zu haben, um sich ihrer Gefühle bewusst zu werden. Oft fällt es ihnen noch schwer, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Der Kompass kann ihnen da super helfen und erleichtert ihnen den „Anruf bei sich selbst.

Auch meine eigenen Kinder nutzen den Gefühlskompass. So hatten wir beim Einkaufen eine Situation, in der mein Sohn seine Gefühle sehr deutlich gemacht hat. Eine ältere Dame, die wir nicht kannten, wollte ihm über den Kopf streicheln. Mein Sohn (4 Jahre) machte einen Schritt zurück und sagte zu ihr: „Ich möchte nicht von dir angefasst werden, ich kenne dich nicht. Da fühle ich mich unwohl!“ Die Dame hat das leider überhaupt nicht verstehen können und wurde richtig sauer. Sie fand den kleinen sogar respektlos. Mein Kleiner hat sich davon nicht beeindrucken lassen und nur gesagt : „Mein Kompass zeigt dann auf die rote Seite. Ich möchte lieber gute Gefühle haben!“

Mann war ich stolz auf den Zwerg 😉 Er hat so toll auf seine Gefühle gehört und sich auch nicht davon abbringen lassen. Er war ein richtiger kleiner Superheld. Meiner Meinung nach war er auch nicht das kleinste bisschen respektlos. Ich fand eher, dass die Dame respektlos ihm gegenüber war. Das ist aber eine andere Geschichte.

Solche Momente zeigen mir immer, dass es richtig und wichtig ist, dass unsere Kinder auf ihre Gefühle hören. Das sind die Momente in denen mir klar wird, warum ich es so liebe Kinder stark zu machen.

Mein kleiner als Superheld

Jetzt ist genau die richtige Zeit, um Kindern die Superheldenkraft der Gefühle zu zeigen

Die aktuelle Zeit steckt voller Herausforderungen, gerade für unsere Kinder. Mal ist Schule, dann wieder Distanzunterricht, dann wieder Schule, dann gibt es plötzlich noch die Testpflicht und und und. Gefühlt jeden Tag gibt es wieder neue Änderungen und Regeln, die ja wir Erwachsenen schon kaum noch nachvollziehen und verfolgen können. Wie soll das da unseren Kindern gelingen? Wie sollen sie mit all diesen Dingen umgehen?

Nun auch dafür ist es erstmal wichtig, auf die eigenen Gefühle zu hören: Wie fühle ich mich, wenn ich höre, dass es auch in den nächsten Wochen wieder keinen normalen Schulunterricht gibt? Bin ich traurig, genervt, enttäuscht oder wütend?

Wenn die Kinder das wissen und uns als Eltern diese Gefühle mitteilen können, macht es das schon mal einfacher. Denn nun kann gemeinsam überlegt werden, was nötig ist, um aus dem schlechten Gefühl raus zu kommen. Denn sind wir mal ehrlich, wir alle wünschen uns doch viel mehr gute Gefühle in unserem Leben. Und das haben wir letztlich selbst in der Hand. Wir können uns immer dafür entscheiden uns das gute Gefühl in unser Leben zu holen.

Wie wir das machen, hängt natürlich ganz von den individuellen Bedürfnissen und auch von unseren Fähigkeiten und Stärken ab. Was kann ich besonders gut und mach ich besonders gerne? Kinder die das wissen, können diese Stärken nutzen, um sich das Gute ins Leben zu holen. In meinem Training erzähle ich den Kindern dazu die Geschichte vom Lehmklumpen von meinem Ausbilder Daniel Duddek von „Stark auch ohne Muckis“:
In der Geschichte bekommt Daniel von seinem Kampfsporttrainer die Aufgabe, einen Lehmklumpen an der Wand festzumachen, ohne diesen an die Wand zu drücken. Er wirft also, doch der Klumpen fällt immer wieder runter. Am Ende sieht er jedoch, das etwas von dem Lehm an der Wand kleben blieb. Anstatt sich also auf das zu konzentrieren, was nicht geklappt hat, änderte er seinen Fokus auf das, was geklappt hat, auf das was er kann. Dazu malen die Kinder im Training ein Bild mit ihrem eigenen Lehmklumpen um den sie all die Dinge malen oder schreiben, die sie gut können. So legen auch sie den Fokus auf ihre stärken.

Doch die schönsten Momente für mich sind die Berichte der Eltern nach meinem Training. Wenn ich dann erzählt bekomme, dass die Kinder ihren Eltern jetzt sagen: „Mama mein Kompass ist auf Rot! Ich brauche jetzt Bewegung. Können wir raus gehen?“ Das sind die Momente, die mich richtig glücklich machen und die mir zeigen, was es ausmacht, wenn Kinder ihre Superheldenkraft nutzen können.

Wie wir Eltern als Vorbilder unseren Kindern im Alltag zeigen, ihre Superheldenkraft und ihre Stärken zu nutzen

Auch das beste Training für Kinder bringt nichts, wenn die Kinder nicht dabei unterstützt werden dies auch im Alltag umzusetzen. Dazu brauchen sie vor allem eins: Gute Vorbilder!

Unsere Kinder schauen sich unglaublich viel von uns Erwachsenen ab. In erster Linie natürlich von den Eltern, aber natürlich auch von den Großeltern, Lehrer*innen, Erzieher*innen, Tanten, Onkeln und allen anderen Erwachsenen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Denn eins ist klar: Es braucht ein Dorf um ein Kind groß zu ziehen.

Auch wir Erwachsene stoßen, gerade in der aktuellen Zeit, oft an unsere persönlichen Grenzen. Hier ist es dann wichtig, dass auch wir offen mit unseren Gefühlen umgehen und auf unseren inneren Kompass hören. Es ist völlig in Ordnung, wenn wir auch mal genervt, wütend oder enttäuscht sind. Das dürfen wir auch unseren Kindern gegenüber so kommunizieren. Wichtig ist es hier natürlich darauf zu achten, trotzdem liebevoll und respektvoll zu bleiben. Das Kind anzuschreien, nur weil es mir gerade nicht gut geht, ist keine gute Lösung. Mir hilft hier oft die Gewaltfreie Kommunikation. Auch wenn ich daran nach wie vor viel arbeite. Wenn du mehr dazu erfahren willst, kann ich dir die Leuchtturm Eltern sehr ans Herz legen. Bei ihnen findest du ganz tolle Ideen und Tricks, wie du die gewaltfreie Kommunikation in deinen Alltag integrieren kannst.

Ich sage meinen Kindern mittlerweile deutlich, wie ich mich fühle und was ich nun brauche, damit es mir evtl. besser geht. Das gute ist, oft lässt sich das super mit den Bedürfnissen der Kinder kombinieren. So habe ich zum Beispiel, wenn ich viel gearbeitet habe, das Bedürfnis nach frischer Luft. Das lässt sich super mit einem Besuch auf dem Spielplatz oder im Wald befriedigen. So sind auch die Kinder glücklich, denn ihr Bedürfnis nach Bewegung und evtl. einem Treffen mit den Freunden kann gleich mit befriedigt werden.


Immer geht das natürlich nicht. Vor allem in der aktuellen Zeit ist ja einfach vieles nicht machbar. Da muss dann halt gemeinsam überlegt werden, welche Alternativen es gibt, damit sich alle besser fühlen.

Bei uns zu Hause heißt das aktuell: Wir überlegen, wie wir die gemeinsame Zeit so nutzen können, dass es uns allen damit gut geht. So verschönern wir zum Beispiel alle gemeinsam unseren Garten, kuscheln ganz viel zusammen, lesen tolle Bücher und treffen uns mit unseren Freunden per Zoom.

Ganz wichtig: Jeder bei uns darf sich auch mal Zeit für sich nehmen. Ja, auch Mama oder Papa! Denn nur wenn ich auch auf mich selbst achte, kann ich gut für meine Kinder da sein.

Das heißt dann auch mal, dass ich alleine Spazieren gehe, oder mal für einige Zeit in der Badewanne verschwinde. Danach habe ich dann wieder ganz viel Energie für meine Jungs. Die zeigen auch uns ihre Gefühle sehr deutlich und können mittlerweile meist sehr klar sagen, was sie brauchen, wenn es ihnen mal nicht gut geht und der Kompass auf die rote Seite zeigt. Schaffen sie das mal nicht alleine, begleiten wir das so gut es geht. Dann heißt es hier: „Ich sehe dich. Welches Gefühl hast du gerade? Bist du vielleicht traurig, weil du nicht zu deinen Freunden zum Spielen kannst? Was können wir tun, damit es dir besser geht?“ Und dann überlegen wir zusammen und finden eine Lösung mit der wir uns alle das gute Gefühl zurück holen können.

Dafür nutzen wir dann gerne auch mal den Merksatz auch meinem Training:
Ich höre auf meine Gefühle, denn sie zeigen mir den Weg wie ein Kompass!










9 Kommentare

  • idm-spirit

    Klasse Beitrag! Das sollte mal mehr in Kindergärten und auch Schulen aufgenommen werden und nicht nur die Gefühle unterdrücken oder „nichtig“ machen. So funktioniert es nicht und die Welt schon lange nicht!
    Was dabei heraus kommt zeigt sich heute durch alle Altersklassen in Form von Mobbing usw.

    Ganz liebe Grüße,
    Ilka

    • judithgrommes

      Liebe Ilka,
      Schön das dir der Artikel so gut gefällt.
      Genau deshalb gehen ich mit meinem Training in Kitas und Schulen. Zur Zeit ist das ntürlich etwas schwierig, sobald sich die Lage entspannt gebe ich da dann aber auch wieder vollgas. Bis dahin mache ich das ganze halt Online.
      Hier Traniere ich die Kinder um sie stark zu machen gegen Mobbing, Stress und üble Konfliklte und ich gebe natürlich auch Schulungen für die Erziher*innen, Lehrer*innen und die Familien. Denn nur wenn alle mitziehen, können wir es schaffen, Mobbing in den nächsten 2 Generationen aus der Gesellschaft zu verbannen.
      Falls du Kitas ober Schulen kennst, für die das interessant wäre, erzähle ihnen gerne von uns 😉

  • Natalie Garbotz

    Liebe Jeannine,
    ein sehr schöner Beitrag! Ich finde es wichtig, dass Familien wieder mehr zueinander finden. Dieses Wissen sollte ehrlicher Weise auch in Kindergarten/Schule unterrichtet werden – nicht im Sinne von pauken. Sondern vielmehr im Sinne von „wir leben das gemeinsam“. Also so praxisbezogen wie möglich. Wir handhaben das zu Hause ähnlich. Natürlich gibt es da auch immer wieder Höhen und Tiefen (mein 4,5 jähriger macht gerade einen Schub und da tut er sich schwer darüber zu sprechen, was ihn gerade stört. Als ob ihm die Worte fehlen). Die sind aber auch normal.

    • judithgrommes

      Hallo Natalie
      Danke für dein tolles Feedback.
      Wahrscheinlich fehlem seinen kleinen tattächlich dann einfach die Worte um das auszudrücken. Das ist in dem Alter völlig normal und ok. Er schafft das dann irgendwann, manchmal dauert es halt einfach. Du als Mama kannst ihn da ja so gut es geht unterstüzen und ihm einfach sagen, was du gerade fühlst und einfach für ihn da sein.
      In Kitas und Schulen vermittel ich das ganze immer mit viel Spaß mit Rollenspielen und vor allem sehr Praxisbezogen. Den Pädergogen gebe ich da auch konkrete Methoden für den Alltag mit, damit sie das einfahc in den normalen Tagesablauf einbezeihen können. Umsetzen müssen sie das dann natürlich letzlich ohne mich. Das Handwerkszeug dafür bekommen sie jedenfalls von mir 😉

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